Neue & Außergewöhnliche Quartettliteratur

En France

Maurice Ravel
Ma mère l’Oye (Mutter Gans) in Bearbeitung von Shintaro
Sakabe für Klavierquartett

Project Chanson
Neue Kompositionen und Arrangements auf der Basis französischer Chansons, von Gordon Williamson, Gerard Pesson, Johannes Schöllhorn, Konstantinos Raptis und Sebastiaan Koolhoven

Camille Saint-Saëns
Klavierquartett B-Dur op. 41
[oder: Gabriel Fauré: Klavierquartett Nr. 1 c-Moll op. 15]

Georges Brassens, Jacques Brel, Édith Piaf… Diese Namen tauchen auf, wenn vom modernen französischen Chanson die Rede ist. Aber aus welchem Blickwinkel betrachten zeitgenössische Komponisten und Arrangeure diese Musik? Wir haben Komponisten und Arrangeure verschiedener Werdegänge und Generationen gebeten, ihre Version eines französischen Chansons ihrer Wahl (z.B. Josquin Deprez, Jaques Brel oder Stromae) ohne Gesang für ein Klavierquartett zu arrangieren, umzuschreiben oder zu interpretieren.

Für unser Bestreben, das Repertoire für Klavierquartett zu erweitern und die Möglichkeiten kreativ auszuschöpfen, haben wir außerdem den aufstrebenden Arrangeur und Dirigenten Shintaro Sakabe herausgefordert, Ravels „Ma mère l’Oye“ für Klavierquartett umzuschreiben. Das französische Progamm wird komplettiert durch ein selten gespieltes Werk von Saint-Saëns.

„…Und das Flex Ensemble hat dieser durchaus ungewöhnlichen Einrichtung hörbar viel Aufmerksamkeit geschenkt: Behutsam wurde jede Tongebung und jede Phrasierung abgewogen und geformt, und das Ergebnis der sicherlich mühevollen Arbeit war schlicht begeisternd. Dass der zauberhafte Schlusssatz der Suite am Ende des Konzertes ein weiteres Mal erklang, war sehr willkommen, denn an dem farbenreichen Arrangement kann man sich kaum satt hören. Mit begeistertem Applaus wurden die musikalischen Gäste vom Publikum gefeiert.“

Westfalen-Blatt, Peter Ernst, 29. Jan. 2018

“Das gefühlvolle und professionelle Spiel des Ensembles begeisterte. Ein kreativer und gelungener Auftakt der Reihe!”

NDR Kultur, Agnes Bührig, 22. Nov. 2017

Inside Eroica

Gordon Williamson (*1974)
Couverture

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sinfonie Nr. 3 op. 55, in einem Arrangement von Ferdinand Ries für Klavierquartett

Gordon Williamson (*1974)
Encore

auf Wunsch: Eroica +

Johannes Brahms
Klavierquartett g-Moll, op. 25

Die selten gespielte Bearbeitung der Eroica für Klavierquartett erlaubt einen unmittelbaren Zugang zu der Symphonie. Mit der Auftragskomposition für den Kanadischen Komponisten Gordon Williamson präsentieren wir eine zeitgenössische Perspektive auf den alten Meister.

Dieses Programm wurde auf CD aufgezeichnet (AVI/Deutschlandfunk Kultur):  CD Infos

“Das Ergebnis zieht einen in Bann: Was für ein weites Klangspektrum die vier Instrumentalisten hier schaffen, ist verblüffend, mit Vorder- und Hintergrund, plastischen und vernebelten Gestalten, breiter Fläche und schlanker Linie. Dies alles in vielfachen klanglichen Abstufungen. In den dramatischen Steigerungen ergibt sich sogar sinfonischer Funkenflug.”

Eckhard Weber, Concerti

Slavic Sentiment – Polnische Volksmusik reloaded

Paweł Mykietyn (*1971)
Auftragskomposition für das Flex Ensemble (2019)

Mateusz Smoczynski (*1984)
Polnische Volksmusik arrangiert für Klavierquartett (2019)

Frédéric Chopin (1810 – 1849)
Auswahl Mazurkas für Klavier solo

Krzysztof Penderecki (*1933)
Quartett für Klarinette und Streichtrio (1993)
mit Maximilian Krome – Klarinette

„Anderes Dorf – anderes Lied“ – so ungefähr lautet eine polnische Redewendung. In der Vergangenheit war das wirklich so. Im ganzen Land gehörte Musik zum Alltag und war Teil des Lebenszyklus: Geburt und Liebe, Hochzeit und Tod, Festtage wie Ostern und Weihnachten, die Erntezeit und die Natur – alles wurde im Lied besungen.

Unser Ziel ist es nun, traditionelle polnische Volksmusik in unseren gegenwärtigen (musikalischen) Horizont zu setzen. Wir haben Mateusz Smoczynski, aktuell in der polnischen Jazz-Szene gefeierter Violinist, gebeten, dieses Thema tiefer zu erforschen und mit uns nach Wegen zu suchen, die Atmosphären und Farben dieser Lieder mit der Besetzung des Klavierquartetts einzufangen. Wir wollen dabei auch die Vielfalt des in jeder Region unterschiedlichen Materials mit unseren modernen Instrumenten zeigen. Krzysztof Penderecki, als einer der führenden Vertreter Neuer Musik in Polen, darf dabei natürlich nicht fehlen. Sein äußerst melancholisches Quartett für Klarinette und Streicher passt sehr gut in dieses Programm. Um die zeitgenössische Musik-Szene Polens noch gründlicher auszuleuchten haben wir Komponist Paweł Mykietyn, bekannt auch für seine Filmmusik, mit einem neuen Klavierquartett für uns beauftragen.

Slavic Sentiment II.

Josef Suk
Klavierquartett in a-Moll, op. 1 (1891)
Alexandre Tansman
Suite Divertissement für Klavierquartett (1929)*
Antonin Dvorak
Klavierquartett Nr. 2 in Es-Dur, op. 87

*alternativ für Tansman:
Mateusz Smoczynski
Neue Lieder aus Kurpien
(Kompositionsauftrag vom Flex Ensemble, 2019)

„Dvoráks 2. Klavierquartett offenbart die persönliche und schöpferische
Reife des 48-jährigen Komponisten, der zu dieser Zeit in der Blüte
seines Lebens stand. Bald nachdem er sein Quartett vervollständigt
hatte, übernahm der Maestro den Posten des Professors für
Komposition am Prager Konservatorium. Diese Entscheidung sollte sich
als schicksalhaft erweisen, jedoch nicht so sehr für ihn selbst, sondern
vielmehr für den 17-jährigen Josef Suk, der zu den begabtesten
Schülern von Dvoráks ausgewählter Klasse gehörte. Suk schrieb sein
Klavierquartett unter der Leitung von Dvorák und gab ihm die
symbolische Opus Nummer 1. Das Stück spiegelt seine zeitgenössische
Selbststilisierung als leidenschaftlicher, aufflackernder Jüngling wider,
doch seine melodische Kraft und Zartheit entsprechen der von Dvoráks
Werk. Abgerundet wird dieses slawische Programm durch die „Suite
Divertissement“ des polnischen Komponisten Alexandre Tansman.

beJAZZled!

Aaron Copland
Piano Quartet (1950)
Krzysztof Komeda/Mateusz Smoczyński
Komeda Recomposed
(Kompositionsauftrag vom Flex Ensemble, 2021)
Nikolai Kapustin
Piano Quintet op. 89 (1998)

Klingt wie Jazz – ist aber alles notiert! Dieses Motto hat der kürzlich
verstorbene russische Komponist Nikolai Kapustin regelrecht
perfektioniert. Der langsame Satz seines Klavierquintetts, 1998 in einer
besonders fruchtbaren und kreativen Phase seiner Karriere entstanden,
ist eine von Kapustins schönsten Schöpfungen, gefolgt von den wohl
erstaunlichsten fünf Minuten der Kammermusikliteratur – ein Jazz-RockKlassiker, der das Publikum, aber nicht unbedingt die Spieler, um eine
Zugabe betteln lässt.
Daneben steht Aaron Coplands viel zu selten gespieltes Klavierquartett
von 1950, welches im Mittelsatz von Jazz-Rhythmen beeinflusst ist.
Copland, der „Modernist“, zeigt sich hier von seiner besten Seite. Er
tanzt mit einer kinetischen Bewegung zu einer Art „zerlumpter“ Zeit und
beschwört damit den scharfen Pointillismus von Strawinsky und
Schostakowitsch herauf.
Einen besonderen Höhepunkt bildet eine Jazz-Suite über Standards des polnischen Filmmusikkomponisten und Jazzpianisten Krzysztof Komeda, die von Smoczynski ausgesucht und eigens für diese Konzertreihe arrangiert wurden.

Musik trifft… andere Künste

IN/SOMNIA

Eine multimediale Performance über ein oft verdrängtes Drittel unserer Lebenszeit.

„Hauptsächlich aber sprechen sie durch die Musik. Und da erlebt man Herausragendes. Kana Sugimura, Anna Szulc, Martha Bijlsma und Johannes Nies sind ein preisgekröntes Klavierquartett, das sich sowohl in alter Musik als auch in der Avantgarde gleichermaßen überzeugend bewegt.“ - Claus-Ulrich Heinke, Hildesheimer Allgemeine

Was macht der Schlaf mit uns? Der Puls verlangsamt sich, unsere Temperatur fällt, das Gehirn beginnt zu arbeiten. Das Flex Ensemble versucht das, was sich sonst in den dunklen Tiefen des Unterbewusstseins abspielt, in den Fokus unseres Bewusstseins zu bringen.

Dazu hat das Ensemble Musik aus verschiedenen Jahrhunderten zu einem Programm mit u.a. Werken von Bach, Skriabin, Pesson und Vasks zusammengestellt, das die Schlafphasen des Menschen widerspiegelt. Aus ihrer Schlafrecherche entstanden Video- und Textmaterial, die zur Musik und zur Performance beitragen.

Das Projekt, für das die MusikerInnen mit dem Post Theater Berlin (Videokünstler Yoann Trellu und Dramaturg Max Schumacher) zusammenarbeiten, fordert die traditionelle Konzertsituation heraus.

Trance, verlangsamter Puls oder die surreale Welt des Unterbewusstseins werden mit dem Publikum erforscht und auf eine Reise durch einen Schlafzyklus genommen, bei dem es durchaus auch einschlafen darf, aber wahrscheinlich gar nicht will…

Und was macht das mit dir?

KammerMUSIKtheater frei nach “Romeo und Julia” 

Romeo und Julia – die schönste und tragischste Liebesgeschichte aller Zeiten… Wirklich?

Was wäre, wenn alles etwas anders gelaufen wäre? Wenn aus Julia, inzwischen Mitte Dreißig, eine neurotische Single-Frau wurde, deren Inneres widerstrebenden Charakterzügen ein umkämpftes Schlachtfeld bietet, und der die Begegnung mit einer neuen Liebe buchstäblich die Sprache verschlägt?

Das Flex Ensemble erkundet als vierfache Julia in Begleitung von Schauspieler Christoph Linder  die Tiefen der nonverbalen Kommunikation, die enge Verbindung, die Konzertierende mit ihrem Publikum eingehen, und die untrügliche Wahrheit, die in Musik von Brahms, Strauss, Hartke und vielen anderen liegt.

Mit dem Flex Ensemble, Friederike Karig  (Regie) und Christoph Linder (Schauspiel)

Phantasmagorical Movements. Surrealismus in Kunst, Musik & Tanz

Maurice Ravel
Sonate für Violine und Cello

Johannes Ciconia
Le Ray au soleyl

Stephen Hartke
The King of the Sun (1988)
mit Lena Visser, Tanz

Irgendetwas traumhaftes und surreales haben wir alle an uns – davon sind der Komponist Stephen Hartke und der Maler Joan Miró jedenfalls überzeugt und nennen dieses ‘Etwas’ phantasmagorisch. Von diesen Künstlern inspiriert untersuchen wir: Was passiert, wenn man ein Klavierquartett als Teil einer Choreographie betrachtet oder wenn eine Tänzerin Teil eines musizierenden Ensembles wird? Alles dreht sich dabei um Stephen Hartkes Stück „The King of the Sun“, welches auf Gemälden von Miró basiert und ein impressionistisches Duett von Maurice Ravel, das Ravels Liebe zum Tanz offenbart obwohl es eigentlich keine Tanzmusik ist. Projektionen der Originale Mirós umrahmen den Konzertabend. Das gemeinsame Experiment verwischt die Grenzen zwischen Musik und Tanz, Hören und Sehen!

Ggf. in Verbindung mit Workshop für Kinder/Jugendliche: Welche Eindrücke das Hören dieser Musik und Kunst bei jungen Hörern hinterlässt und wie diese sichtbar gemacht werden können auch ohne zu sehen – das hat das Ensemble im Vorfeld in einem Projekt mit SchülerInnen des Landesbildungszentrum für Blinde in Hannover erforscht; die Ergebnisse wurden bei der Premiere ausgestellt.

“Mir ist als Allererstes aufgefallen, als ich die vier hier kennengelernt habe, wie viel Bewegung bei ihnen im Körper entsteht, wenn sie musizieren”, erzählt Lena Visser. “Das ist quasi nur ein Nebenprodukt, es ist gar nicht auf Performance ausgelegt. Und trotzdem empfinde ich es als Tänzerin wahnsinnig inspirierend – und nehme da ganz viel mit.” (Interview und Probenbesuch, NDR Kultur, Agnes Bührig, 30. Jan..2018)

Circular Music / Neue Musik trifft Video

Jürg Frey (*1953) – Extended circular music no. 1-4 (2011-2014)

Gordon Williamson (*1974) – Chanson Ruée  (2017)

Gérard Pesson (*1958)  – Rentrez soupirs nach Marc-Antoine Charpentier / Mes béatitudes (1994/1995)

In „Circular Music“ präsentiert das Flex Ensemble zusammen mit dem Videokünstler Yoann Trellu ein Programm, das neue Musik, Raum und Videoprojektionen miteinander verbindet. Das Programm wird von Jürg Freys „Circular Music“ eingerahmt und enthält Werke von Gordon Williamson und Gérard Pesson, die vom Flex Ensemble in Auftrag gegeben wurden. Trellu verwendet „generative mapping techniques“, die in Echtzeit auf die Musiker reagieren. Diese Bilder werden dann auf die Musiker und den Raum projiziert und unterstreichen die Architektur des Raumes. Dieses Programm ist eine dynamische Interaktion zwischen Musik und visueller Kunst, die eine neue Perspektive auf Klavierquartett-Werke des 20. und 21. Jahrhunderts bietet.

Schweigen hat in Tönen auch seinen Platz. Um Schweigen zu erreichen, muss man alles, das ihm im Weg steht, loslassen.

Jürg Frey

Easter Transformations 

Eine alternative Passion mit Arvo Pärt

Francisco Guerrero (1528-1599)
Maria Magdalene et altera Maria

Pēteris Vasks (*1946)
Grāmata čellam II. Pianissimo (Dolcissimo) für Cello Solo (1978)

Nora Gomringer (*1980)
Video Lesung (2019)

Arvo Pärt (*1935)
Stabat Mater für Sopran, Alt, Tenor, Violine, Viola und Cello (1985)

mit
Ania Vegry – Sopran
Marlene Gaßner – Alto
Uwe Gottswinter – Tenor
Nora Gomringer – Video Lesung

Die berühmten Passionsmusiken von Johann Sebastian Bach hatten ursprünglich den rein religiösen Zweck, die österliche Botschaft zu vermitteln. Auch heute werden sie viel gespielt und gerne gehört zu Ostern, doch die direkte Verbindung ist nicht mehr so stark. Viele jüngere Komponisten – wie Arvo Pärt – die mit diesen religiösen Texten arbeiteten, setzen sie mit ihrer je eigenen musikalischen Sprache in einen modernen Kontext.

Wir wollen eine Auseinandersetzung mit spiritueller Einkehr eingehen und anbieten, jedoch außerhalb eines traditionell religiösen Rahmens. Dazu spielen wir Pärts Stabat Mater in Verbindung mit der Lesung eines Texts, der eine Auseinandersetzung mit den Themen der Passion und Auferstehung in der Gegenwart sucht.  Das selten gespielte Stabat Mater für drei SängerInnen und Streichtrio ist in vielerlei Hinsicht eine Realisierung seines Ziels, eine „musical line that is a carrier of the soul, an absolute monody, a naked voice from which everything originates“ zu schaffen. Die Wirkung dieser Musik kann man als eigene religiöse Erfahrung empfinden.