Drei Musikstücke, die wir lieben, die Chance, sie alle aufzunehmen – und dann dämmerte es uns, dass alle drei Stücke auf eine Weise mit dem Thema „Nacht“ zu tun haben.

Musiklabel: GENUIN classics | Form: Audio CD | Veröffentlichungsdatum: 2014

In den „King of the Sun“ von Stephen Hartke haben wir uns gleich beim ersten Hören verliebt. Es hat großen Spaß gemacht, das Stück zu studieren und mehr über diese Musik herauszufinden. Die einzelnen Sätze sind nach Gemälden von Joan Miró betitelt, und das musikalische Material stammt aus dem spätmittelalterlichen Kanon „Le ray au soleyl“. Mirós Bilder zu betrachten und den Kanon zu hören hat uns enorm dabei geholfen, die vielen verschiedenen Charaktere und Stimmungen einzufangen. Hartke drückt es so aus: „Die Malerei Mirós ist sowohl skurril als auch ernst, und ich habe versucht, dasselbe in meiner Musik zu erreichen.“ Die surrealistische Mannigfaltigkeit der Farben und Stile, die von der Gregorianik bis zum Jazz reichen, ist etwas, das wir bei diesen Stücken sehr genossen haben. Der Titel unserer CD bezieht sich auf den letzten Satz des Werkes: „Menschen und Vögel, jubelnd beim Anbruch der Nacht“. Die gesamte Komposition passt perfekt zu diesem Thema, denn, um noch einmal mit Stephen Hartke zu sprechen, „die meisten der Sätze spielen – seltsam genug für ein Stück, das ‚Der König der Sonne‘ heißt, – drinnen oder bei Nacht.“

Astor Piazzollas Teufelsstücke sind Ende der 50er-Jahre entstanden. Piazzolla war noch sehr jung, als er anfing Bandoneon zu spielen und den Tango kennenlernte. Mit nur 28 Jahren entschied er sich dann, die Tango-Musik und das Bandoneon ganz aufzugeben und sich stattdessen auf klassische Musik, Jazz und auf das Komponieren zu konzentrieren. 1954 erhielt er die Gelegenheit, in Frankreich bei Nadia Boulanger zu studieren. Dort spielte er seine musikalische Vergangenheit zunächst herunter, aber als er schließlich einen seiner Tangos vorführte, sagte Boulanger zu ihm: „Astor, deine klassischen Stücke sind gut geschrieben, aber das hier ist der wahre Piazzolla – lass ihn niemals hinter dir.“ Nach diesem Erlebnis entwickelte er einen einzigartigen musikalischen Stil, der die klassische Musik mit dem Tango verbindet; diese drei teuflischen Stücke sind ein großartiges Beispiel. Man stellt sich die Musik vielleicht am ehesten in dunklen Tango-Clubs vor; tatsächlich aber wurde sie in großen Konzertsälen aufgeführt (z.B. 1965 in der Philharmonic Hall New York). Die drei Teufelsstücke (ein weiterer subtiler Verweis auf unser Thema) stellen eine kostbare Erweiterung unseres Repertoires dar. Mit Elsbeth Moser hatten wir eine wunderbare Zeit auf der Suche nach dem richtigen Groove – und nach dem Teufel in uns.

Stephen Hartke (1952)
The King of the Sun (1988)
Tableaux for Violin, Viola, Cello, and Piano

Astor Piazzolla (1921 – 1992)
Tango Diablo
Vayamos al Diablo
Romance del Diablo
Arrangement: Konstantinos Raptis
Bajan: Elsbeth Moser

Johannes Brahms (1833 – 1897)
Piano Quartet No. 3 in C-minor, Op. 60

photo by: Daniel Kunzfeld

Um das Leben von Brahms und um seine Gemütslage zu der Zeit, als er das Klavierquartett in c-Moll schrieb, ranken sich viele dramatische Geschichten. Was wir wissen: Er begann mit der Arbeit an diesem Quartett, als er erst 23 Jahre alt war. Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren transponierte er es von cis- nach c-Moll, fügte einen Satz hinzu (das Scherzo), komponierte ein gänzlich neues Finale und hörte nicht auf, die anderen Sätze zu überarbeiten. Er bezeichnete das Stück als „zur Hälfte alt, zur Hälfte neu – es taugt also der ganze Kerl nichts!“ Emotional war diese Lebensphase sehr schwierig für Brahms. Er war hin- und hergerissen zwischen seiner Freundschaft mit Robert Schumann und der hoffnungslosen Liebe zu Clara Schumann. Es gibt eine direkte Anspielung auf Goethes Werther, den romantischen Helden, dessen Liebe unerwidert bleibt und der schließlich Selbstmord begeht. Brahms schrieb an seinen Verleger: „Außerdem dürfen Sie auf dem Titelblatt ein Bild anbringen! Nämlich einen Kopf mit der Pistole davor. Nun können Sie sich einen Begriff von der Musik machen!“ Unser Thema „Nacht“ bezieht sich auch auf diese dunkle Zeit in Brahms’ Leben. Wenn wir sein Stück spielen, staunen wir jedes Mal aufs Neue über die Tiefe, die Schönheit der Melodien und die unglaubliche Architektur. Es ist schwer, von diesem Werk nicht berührt zu werden; oft spielen wir es als letztes Stück in unserem Programm. Bis jetzt haben wir noch keine Zugabe gefunden, die geeignet wäre, im Anschluss daran zu erklingen.

Die CD bietet eine Auswahl dessen, wonach das Flex Ensemble in der Musik sucht. Neben den großen Werken für Klavierquartett wollen wir jene Stücke finden, die uns und das Publikum neugierig machen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Musikern gehört zu unseren Zielen. Wir hoffen darauf, diesen Weg fortzusetzen, um noch viele weitere Schätze zu entdecken und zu präsentieren

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